Meisterin des kleinen Formats
Die Sonderschau widmet sich dem Leben und Werk der Bildhauerin Ursula Ullrich-Jacobi (1926–2020).
Geboren im Berlin der „Goldenen Zwanziger“ als Tochter des Komponisten Wolfgang Jacobi, wuchs sie in einem intellektuellen Künstlermilieu auf. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus erlebte die Familie jedoch einen tiefen Einschnitt: Berufsverbot und Ausgrenzung führten zur Emigration nach Italien und schließlich zur Rückkehr in ein zurückgezogenes Leben in Deutschland. Der Zweite Weltkrieg brachte weitere Verluste, darunter den Tod ihres Bruders.
Nach 1945 begann für Ursula Ullrich-Jacobi eine neue Lebensphase. Sie studierte ab 1946 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Josef Henselmann, der ihr Talent früh erkannte und förderte. Während des Studiums erhielt sie bereits Preise und erste Aufträge. In München lernte sie den Kunststudenten Gunter Ullrich kennen, den sie 1952 heiratete. 1953 zog das Paar nach Aschaffenburg, wo sie fortan lebte und arbeitete.
Ursula Ullrich-Jacobi setzte in den folgenden Jahrzehnten mit ihren Plastiken im Stadtbild ihrer Wahlheimat sichtbare Zeichen und war auch in der Künstlervereinigung „Kontakt“ aktiv. Sie erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge, vielfach in Zusammenarbeit mit ihrem Mann. Zu den bekanntesten Arbeiten im öffentlichen Raum zählen das Kriegerdenkmal in Rothenbuch (1954/55), die Bronzetüren und Türgriffe des Aschaffenburger Rathauses (1957–1959), der Kreuzweg in Unterthal bei Hammelburg sowie das Bronzerelief für das Fernmeldeamt in Bad Hersfeld. Auch die Figur die „Sinnende“ auf der St.-Germain-Terrasse gehört zu ihren prägenden Werken.



Einen Namen machte sie sich insbesondere mit ihren sensiblen Tier- und Porträtplastiken aus Bronze und Terrakotta, in denen sie das Wesen von Mensch und Tier erfasste. Kinder und Tiere standen dabei im Mittelpunkt ihres Interesses, da sie für sie einen unverstellten, unmittelbaren Ausdruck verkörperten. Bereits früh zeigte sich ihr außergewöhnliches zeichnerisches und plastisches Talent, verbunden mit einer großen Präzision und Ausdruckskraft, die sich auch in kleinen Formaten entfaltet.
Charakteristisch für ihr Werk ist eine klare, reduzierte Formensprache, die Bewegung und Ausdruck auf das Wesentliche konzentriert. Diese Haltung prägte sowohl ihre freien Arbeiten als auch ihre Kunst im öffentlichen Raum. Der Aschaffenburger Künstler Anton Bruder würdigte ihre Plastiken treffend mit den Worten, sie seien „ernst und im kleinsten Format monumental“.
Ursula Ullrich-Jacobi verstarb im Januar 2020 im Alter von 93 Jahren. Ihr Werk bleibt als eigenständiger Beitrag zur Bildhauerei des 20. Jahrhunderts lebendig und prägt bis heute das kulturelle Bild ihrer Wahlheimat.









Fotos: Dr. Andreas Ullrich / Gunter Ullrich Stiftung, Museen Aschaffenburg